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Das Wunder von Graz

Sie werden mir doch sicher zustimmen: 2011 war ein super Weltmeisterschaftssommer. Der Frauenfußball gewann ein hohes Maß an Prestige, und schließlich gab es in Deutschland wieder Gäste zu empfangen und allgemein etwas zu feiern.

Wussten Sie aber auch, dass das nicht die einzige Veranstaltung von Weltrang war? Tatsächlich fand, während die Damen der Schöpfung um den Titel fleißig Bälle schoben, eine andere Art von Weltmeisterschaft statt: die ersten Chorweltmeisterschaften für die Jugend in Graz, der schönen Hauptstadt der Steiermark in Österreich, vom 10. - 17. Juli 2011. Trotz einiger finanzieller Hürden hat es auch der Chor des Leibniz-Gymnasiums Potsdam zu diesem speziellen Anlass geschafft.

Wie?", denken Sie hypothetischer Leser sich sicher, weil Sie unseren Chor vielleicht sogar bereits gehört haben, „Ist das denn ein Anlass, zu dem dieser Chor auch passt? Sicher, er ist einigermaßen gut, aber von Weltrang?" Falls nicht Ihre, waren das immerhin unsere Bedenken, die wir weit vor der Planung unserer Teilnahme hatten. Natürlich haben wir uns auch nie die Illusion gemacht, etwas erreichen zu können, was eher absolute Profi-Chöre erreichen. Dennoch waren wir von der Motivation getrieben, bei solch einem zumindest für uns bedeutenden Ereignis dabei zu sein, um den Chor auch mal auf eine internationale Bühne zu bringen und um zu sehen, was wir erreichen können.

Was es zu erreichen gab? Jeder Chor konnte in der Qualifikationsrunde ein Bronze-, Silber- oder Golddiplom bekommen, in der Meisterschaftsrunde, dem Grand Prix, gab es diese drei Abstufungen jeweils als Medaillen. Unsere Erwartung - nein, Hoffnung - lag bei einem Bronze-Diplom, um zumindest das Mindestniveau zu erreichen. In der Tat haben wir es geschafft, ein Silber-Diplom der Stufe 4 in der Qualifikationsrunde zu erlangen, was mehr als eine glückliche Überraschung für uns war - eine Leistung, auf die der Chor tatsächlich stolz sein kann und die ein Nachweis für unsere internationale Anerkennung ist. Nebenbei gesagt, gab es aus Deutschland nur 4 Chöre, wovon nur einer - der Chor des Leibniz-Gymnasiums - aus den neuen Bundesländern kam. Wir konnten so auch das Land Brandenburg würdig vertreten.

Das Schöne dieses Großereignisses war aber nicht nur die Freude über die Bestätigung, die wir erhielten, sondern vor allem auch die kulturelle Begegnung: in der wunderschönen Stadt Graz (die wir leider nie richtig auskundschaften konnten mangels Zeit) haben wir viele atemberaubende Chöre erlebt, die in ihrer Technik und Hingabe für den schönen Klang eine zumindest für mich ganz neue Eleganz eröffnet haben. An der Stelle müssen wohl nur die Türkei, Schweden, China, Brasilien und einige der in Graz heimischen Chöre erwähnt werden. Wir haben Freundschaften geschlossen mit Chören, mit denen wir uns sowohl musikalisch als auch menschlich austauschen konnten - besonders mit einem serbischen Chor aus Novi Sad, mit dem wir übrigens durch die Wunder des Internets auch noch gut in Kontakt stehen.

Wir wurden Fans und haben Fans bekommen - nicht nur durch unseren Auftritt bei der Qualifikationsrunde, sondern auch durch verschiedene spontane Auftritte in der Grazer Innenstadt und in einem Einkaufszentrum. Unbeschreiblich war das orchestrale Filmkonzert, das von einem 200-Mann-Chor begleitet wurde. Aber die Dinge, die wahrscheinlich keiner von uns im Leben vergessen wird, sind die volle Emotionalität und Menschlichkeit, das Fieber und der Esprit, die Spannung und die Erhabenheit der Preisverleihung und der Abschlussveranstaltung, bei der Tausendschaften von Choristen zum Abschied gemeinsam bekannte Lieder anstimmten. Nie war es so schön, sich unter vielen zu befinden. Ein Feuerwerk der Stimmen!

Auf jeden Fall haben wir als Chor eine ganze Menge aus dieser Erfahrung mitgenommen und haben mehr denn je den Anstoß, unser Können zu verbessern - denn viel haben wir von den anderen Chören und von uns selbst gelernt, was wir in Zukunft erreichen und wie wir uns verbessern können. Eine sinnvolle Geld- und Zeitinvestition? Absolut!

Der Frauenfußball war uns übrigens letzten Endes doch eher egal. (Ph.Süring)