Zwischen Schülerzeitung und Kaserne
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„Leute, wir haben echt keine Zeit." Maximilian Schwefer wiederholt diesen Satz zum zehnten Mal und wird, trotz des Lächeln auf seinen Lippen, immer unruhiger. Kein Wunder, denn eine Horde wissbegieriger Jugendlicher und eine starke Journalistin mit Humor, sind nicht einfach zu handhaben, vor allem dann, wenn er Recht behält und die Zeit wirklich wie im Fluge vergeht. Es ist Samstag, der 20. November 2010, der erste Tag des 109. Jugend Presse Kongress, in Bremen. Die Profijournalistin Cornelia Stenzel-Zenner vom WDR Aachen erklärt im Rahmen des Workshops C die Unterschiede zwischen grundlegenden, in den Printmedien verwandten Textsorten. Ihre Erläuterungen gelten einigen Jugendlichen, die sie mit großen Augen anschauen, mitschreiben und zuhören, als hätten sie zum ersten Mal das Wort „Zeitung" vernommen. |
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Allerdings kommen die meisten von ihnen nicht zum ersten Mal mit dem Thema Journalismus in Kontakt, sondern sammeln schon lange ihre eigenen Erfahrungen. Denn das Publikum besteht aus jungen Profis aus ganz Deutschland. Schülersprecher, Chefredakteure von Schülerzeitungen und Onlinemagazinen sind mit von der Partie. Sie alle haben sich für den 109. Jugend Presse Kongress beworben, um nun ihre Kenntnisse zu erweitern. Gezielt wählte die „young leaders GmbH" unter hunderten von Bewerbern 134 Jugendliche aus, um ihnen in der Logistikschule der Bundeswehr in Osterholz- Scharmbeck ein einmaliges Wochenende zu ermöglichen. Die „jungen Führungspersönlichkeiten" konnten sich schon bei ihrer Bewerbung für einen Workshop aus den Kategorien Kongress- Zeitung, -Webmag und -Fernsehen entscheiden. Jeweils zwei Gruppen beschäftigten sich mit einem Thema und bekamen zu diesem Zweck einen Profijournalisten sowie einen Gruppenleiter an die Seite gestellt.
Maximilian Schwefer ist als Gruppenleiter für den Workshop C, die Kongress-Zeitung eingeteilt. Er wusste wie eng der Zeitplan sein würde, nur seine Schützlinge müssen das erst noch bemerken. Nach den Workshops mit der Profijournalistin von WDR bleibt nur wenig Zeit zum durchatmen. Der Diplom- Psychologe und Geschäftsführer der „young leaders GmbH" Reinhard Werner referiert zum Thema „Zukunftsstrategien für das 21. Jahrhundert". Seine Rede begeistert, seine Worte überzeugen und ermutigen. Er spricht über das, was unsere Welt heutzutage bewegt und die Zukunft der Teilnehmer bestimmt: Globalisierung, technologische Entwicklung und Demographie. Um den Jugendlichen auch zu kleinen Dinge zu einer Besonderheit zu machen, denn da sich die meisten von ihnen zum ersten Mal auf Bundeswehrgelände befinden nutzt man die Möglichkeit um ihnen einiges zu zeigen. So kommen sie in den Genuss eines Mittagessens in einem Baustein Verpflegung, in dem die Soldaten im Einsatz ihre Mahlzeiten zu sich nehmen. Doch nicht nur das- nach der Stärkung erwartet die Gäste ein absolutes Highlight. Zum ersten, und bei vielen wahrscheinlich auch zum letzten mal erleben sie live ein Transportbataillon, Informationen zu den Fahrzeugen von der Stimme aus dem Off inklusive. Zu sehen, wie ein Güteraustausch bei einem Einsatz stattfindet, begeistert, ohne Frage. Doch um lange drüber zu reden, ist wie immer keine Zeit und so langsam wird auch den Kongress- Teilnehmern klar, auf was sie sich da eigentlich eingelassen haben. Der Bus bringt die Jugendlichen zurück ins Plenum, in dem sie von Oberst im Generalstab Peter Beeger, vom Bundesministerium für Verteidigung in Bonn, auf das folgende Referat eingestimmt werden.
Brigadegeneral Hartwig Tarnowski, der Kommandeur der Logistikschule, klärt über das Hauptthema „Logistik in der Bundeswehr" auf. Im Publikum sieht man hauptsächlich junge Journalisten, die sich bemühen besonders schnell mit zu schreiben und mehr als alle anderen vom Gesagten festzuhalten. Schließlich sind sie auf diese Informationen angewiesen, um später ihre Aufgabe bewältigen zu können. Die wenigsten sehen den Brigadegeneral an, während er spricht. Allerdings weiß er anscheinend, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums zurück erlangt: mit einer Live-Schalte nach Afghanistan. Die Aufregung im Saal steigt. Nur zwei Schüler dürfen ihre Fragen an die Soldaten stellen. Alle anderen schauen lediglich gespannt dem Journalismus in reinster Form zu- dem Sammeln von Informationen durch Interviews.
Danach wird es Zeit zu Arbeiten. In einer Ecke werden Berichte und Porträts geschrieben, in einer anderen filmt man junge Moderatoren, keiner steht still.
Doch die Arbeit lohnt sich- nach einem anstrengenden Tag dürfen die Schüler einen echten Presseabend auf dem Schiff „Hanseat" erleben. Zwei Stunden lang wird gelacht, gegessen und die Luft Bremens auf der Weser genossen. Neue Freunde erzählen einander von ihren Erlebnissen in den einzelnen Gruppen und Kameras sind im Dauereinsatz. Später nutzen einige noch die Möglichkeit und erkunden die Bremen. Ein Bus bringt sie zurück nach Osterholz- Scharmbeck, wo sie nach einem 15- Stunden-Tag nur noch geschafft ins Bett fallen.
Der nächste Morgen trägt müde Gesichter und Stille in die Truppenküche. Am Frühstückstisch wird darüber geredet, mit welchem Bus man heim fahren wird und wie sehr man sich auf seine Familie freut. Doch bevor es wieder zurück in den Alltag geht, steht noch die große Auswertung der Artikel, Filme und des Webmags an.
Die Gruppe C kommt ein letztes Mal zusammen und die Mitglieder schauen Maximilian Schwefer erwartungsvoll an. Es schwirrt nur eine Frage durch den Kopf jedes einzelnen. Ist mein Artikel in der Zeitung? Doch Cornelia Stenzel- Zenner ergreift das Wort bevor er die Jugendlichen erlösen kann. „Also, ich habe mir die Zeitung schon angesehen. Leider sind nicht alle eure Artikel drin. Aber ich habe sie mir alle durchgelesen. Hätte ich sie auswählen können, wären sie heute alle drin. Jeder von euch hat eine super Leistung gebracht und ich konnte nichts finden, was schlecht war." Beide teilen die Zeitung aus und obwohl letztendlich nur wenige Artikel abgedruckt wurden, sind alle recht zufrieden. Immerhin hört man nicht jeden Tag von einem Profi, dass man wirklich gut war.
Das Ende naht und langsam werden alle etwas unruhig, sei es, weil sie schnell nach Hause wollen oder weil sie begreifen, dass der Kongress bald vorbei ist. Eine Infobörse bietet die letzte Gelegenheit, Fragen zum Thema Studium und Ausbildung zu stellen, da auf diesem Gebiet kollektive Verwirrung zu herrschen scheint. Hauptsächlich wird erklärt, dass sowohl ein reines Journalismus Studium als auch ein Studium oder eine Ausbildung auf einem Fachgebiet hilfreich sein können. Die Devise ist aber: Praktika, Praktika, Praktika! Denn nur bei praktischer Arbeit lernt man, was wirklich für den Beruf wichtig ist.
Vor dem Abschied richte die Jugendlichen noch einmal ihre Aufmerksamkeit auf Brigadegeneral Tarnowski und Dipl.- Psych. Reinhard Werner. Ihr Schlusswort lässt ein anstrengendes aber unglaublich schönes Wochenende Revue passieren. Nicht nur die Nähe zum Geschehen und alles was man gelernt hat sondern vor allem die neuen Kontakte sind Dinge, die immer in Erinnerung bleiben werden. Denn nicht nur die young leaders GmbH und die Bundeswehr haben die Zeit unvergesslich gemacht.Es ist so, wie Reinhard Werner es in seinem Vortrag ansprach: „Die Freundschaften, die Sie hier knüpfen, werden noch lange Jahre erhalten bleiben."
Franziska Maria Schade



